Nannette Weil
Geburtsname
Nannette Wertheimer
Geburtsdatum und -ort
4. Dezember 1868 in Freudental (Oberamt Besigheim, Württemberg)
Sterbedatum und -ort
21. Mai 1943 im Vernichtungslager Sobibor, Polen
Beruf
Hausfrau
Wohnadressen in Sinsheim und den Stadtteilen
- 1890 bis 1893: Weiler, Haus Nr. 24 (frühere Nummerierung)
- 1897: Sinsheim, Hauptstraße 88 (heutige Nummerierung)
- 1900 bis 1937: Sinsheim, Bahnhofstraße 30 (frühere Nummerierung)
Biografie
Nannette, genannt Mina, Wertheimer wurde am 4. Dezember 1868 in Freudental (Oberamt Besigheim) geboren. Ihre Eltern waren der Freudentaler Viehhändler Abraham Löb Wertheimer (1826-1911) und Pauline Stern (1839-1909) aus Sontheim. Die Familie Wertheimer war schon im 18. Jahrhundert in Freudental ansässig.
Am 14. August 1890 heiratete Nannette in Freudental den Viehhändler Gustav Weil aus Weiler. Sie wurden Eltern von drei Kindern: Julius, geboren am 28. Juli 1892 in Weiler, Adelheid Hilde, geboren am 14. Mai 1894 in Sinsheim, und Siegfried, geboren am 28. Oktober 1898, der aber knapp vier Monate später starb. Die Familie zog 1893 nach Sinsheim, etwa 1902 bezogen sie das 1900 gekaufte Haus in der Bahnhofstraße. Ihr Mann, Gustav Weil, verstarb 1915, gerade 51 Jahre alt, und Sohn Julius erlag im Juli 1917 in einem Mannheimer Lazarett den Verwundungen, die er als Soldat erlitten hatte.
Ihre Tochter Hilde heiratete am 30. Oktober 1919 in Sinsheim den niederländischen Künstler und Kaufmann David van Hessen. Sie zogen gemeinsam zunächst nach Amsterdam und schließlich Den Haag. Nannette Weil blieb weiter in ihrem Haus wohnen. Als die Lebensbedingungen für Juden immer bedrohlicher wurden, verließ sie Sinsheim. Zuvor hatte Nannette Weil am 27. Oktober 1937, auch als Bevollmächtigte ihrer Tochter, einen notariellen Kaufvertrag mit der Lehrerin Else Schwenn geschlossen. Diese erwarb das Wohnhaus in der Bahnhofstraße im Auftrag ihres Bruders, des Kaufmanns Ludwig Schwenn, für 15.610 Reichsmark, 10.000 Reichsmark unter dem Steuerwert. Nannette Weil zog 1938 nach einem Krankenhaus- bzw. Kuraufenthalt zu Tochter, Schwiegersohn und den drei Enkelkindern Guus, Jules und Edith nach Den Haag. Dort war sie die geliebte Omi.
In Den Haag fühlte sich Nannette Weil, wie auch die anderen Juden, insbesondere aufgrund der Neutralität der Niederlande sicher. Selbst als die Deutschen die Niederlande besetzten, glaubte sie, das Ehrenkreuz, das sie als Mutter eines im Ersten Weltkrieg gefallenen Soldaten erhalten hatte, würde sie schützen. Im Dezember 1942 kam Nannette Weil in das jüdische Altersheim in Den Haag, von dort in das Pflegeheim "Joods Invalide" in Amsterdam. Sie wurde am 18. März 1943, einen Monat später als ihre Tochter Hilde, im Sammel- und Durchgangslager Westerbork eingesperrt. Von dort deportierte man Nannette Weil wie auch ihre Tochter Hilde mit 2.510 Juden am 18. Mai 1943 nach Sobibor und ermorderte sie in dem Vernichtungslager am 21. Mai 1943.
Für sie wurde im April 2025 in Den Haag ein Stolperstein verlegt.
Quellen und Literatur
- Standesamt Freudental, Heiratsregister, Nr. 3/1890.
- Stadtarchiv Sinsheim, SNH A 786; SNH B 81; SNH B 209; SNH B 558; WEI B 128; Geburts-Hauptregister der Gemeinde Weiler, Amtsgerichts Sinsheim, für das Jahr 1892, Nr. 19; Geburts-Hauptregister der Gemeinde Sinsheim, Amtsgerichts Sinsheim, für das Jahr 1894, Nr. 35; Geburts-Hauptregister der Gemeinde Sinsheim, Amtsgerichts Sinsheim, für das Jahr 1898, Nr. 73; Sterbe-Hauptregister der Gemeinde Sinsheim, Amtsgerichts Sinsheim, für das Jahr 1899, Nr. 6; Heirats-Hauptregister der Gemeinde Sinsheim, Amtsgerichts Sinsheim, für das Jahr 1919, Band III, Nr. 50.
- Staatsarchiv Ludwigsburg, EL 402/24 Bü 1280.
- Sammel- und Durchgangslager Westerbork, Dokumentation über das Schicksal der jüdischen Bevölkerung während der NS-Herrschaft, Namensliste der jüdischen Opfer des NS-Regimes in den Niederlanden, 1941-1945, A-Z, 1.1.46.1/5154081/ITS Digital Archive, Arolsen Archives.
- Sammel- und Durchgangslager Westerbork, Dokumentation über das Schicksal der jüdischen Bevölkerung während der NS-Herrschaft, Namensliste der jüdischen Opfer des NS-Regimes in den Niederlanden, 1941-1945, A-Z, 1.1.46.1/5149589/ITS Digital Archive, Arolsen Archives.
- Schriftgut des ITS und seiner Vorgänger, Suchanfragen 1945-1946, 6.3.1.1/86218110-86218114/ITS Digital Archive, Arolsen Archives
- Steffen Pross: Eines Tages ist die Frau Stein plötzlich nicht mehr dagewesen. Freudentaler Adressbuch 1935, Band II (Freudentaler Blätter 7), Freudental 2013.
- Edith Velmans-van Hessen: Ich wollte immer glücklich sein. Das Schicksal eines jüdischen Mädchens im Zweiten Weltkrieg, Wien 1999.
Bildnachweise
- Privatbesitz
Autorin
Wiltrud Flothow

