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Max Scherer

Geburtsdatum und -ort
27. Mai 1873 in Sinsheim

Sterbedatum und -ort
20. Juli 1947 in Urbana, Ohio (USA)

Beruf
Kaufmann

Wohnadressen in Sinsheim und den Stadtteilen

  • 1873 bis 1938: Sinsheim, Bahnhofstraße 25 (aktuelle Nummerierung)

Biografie

Max Scherer war der Sohn des Wolf Scherer und der Johanna Scherer geborene Bauer. Er besuchte die Höhere Bürgerschule ab dem Schuljahr 1883/84, trat aber im Schuljahr 1887/88, wohl nach Erfüllung der gesetzlichen Schulpflicht, aus der Untertertia aus. 1892 wanderte Max Scherer wie zuvor seine Brüder Karl und Joseph in die USA aus. Er kam am 16. November 1892 auf dem Schiff "Elbe" in New York an. Als Beruf gab er Kaufmann an. Max Scherer stellte aber 1895 einen Antrag auf Wiederaufnahme in den badischen Staatsverband.

Am 27. Juli 1899 wurde die Firma Max Scherer in das Handelsregister eingetragen. Inhaber war der ledige Kaufmann Max Scherer. Er heiratete am 12. September 1905 in Ladenburg die dort am 19. August 1882 geborene Bertha Kaufmann. Sie wurden Eltern einer Tochter: Mathilde, geboren 1907 in Sinsheim. In ihrem Wiedergutmachungsantrag – Max Scherer war schon gestorben – gaben seine Frau und seine Tochter an, er habe 25 Jahre lang ein gutgehendes Herren- und Damenkonfektions- und Manufakturgeschäft betrieben mit immer vier bis fünf Beschäftigten. Unter den Spendern für die Sinsheimer Kleinkinderschule ist Max Scherer regelmäßig zu finden: 1911 steuerte er drei Kinderschürzen und Stoff für ein Kleidchen bei.

Seit dem 1. August 1928 war sein Schwiegersohn, der Kaufmann Karl Lichtenstein, als persönlich haftender Gesellschafter ebenfalls mit im Geschäft. Noch 1933 habe Max Scherer gut verdient. Danach ging der Ertrag wegen der Boykottmaßnahmen gegen Juden immer weiter zurück. Schon 1936 verlor Max Scherer auf Grund des Reichsbürgergesetzes von 1935 das Reichsbürgerrecht sowie die Bürgergabe und sein Name wurde im Sinsheimer Bürgerbuch gestrichen. Er gab 1938 das Geschäft auf und verkaufte das Haus an Gertrud Lang sowie die restlichen Warenvorräte. Ab dem 15. Juni 1938 wohnte Max Scherer mit seiner Frau in Ladenburg. Im Anschluss an das Novemberpogrom 1938 mussten deutsche Juden als "Sühneleistung" eine Vermögensabgabe in vier Raten leisten. Max Scherer hatte 10.000 Reichsmark zu bezahlen. Wieviel er von dem Erlös aus dem Verkauf des Hauses und der Waren mit in die USA nehmen konnte, ist nicht klar. Vermutlich nur einen Bruchteil.

Max und Bertha Scherer verließen Deutschland im April 1939 von Hamburg aus auf dem Schiff "Manhattan" Richtung USA und stellten gemeinsam am 12. Juli 1944 einen Antrag auf Einbürgerung. 1940 wohnten Max und Betty, wie sich Bertha nun nannte, bei ihrer Tochter Mathilde, dem Schwiegersohn Karl Lichtenstein und dem Enkel Werner in Urbana, Ohio (239 East Church Street). Max Scherer starb am 20. Juli 1947 an Krebs.

Quellen und Literatur

  • Stadtarchiv Sinsheim, SNH A 45; SNH A 561; SNH A 785; Geburtsbuch der Gemeinde Sinsheim, Amtsgerichts Sinsheim, für das Jahr 1873, Nr. 50; Geburts-Hauptregister der Gemeinde Sinsheim, Amtsgerichts Sinsheim, für das Jahr 1907, Nr. 4; Alphabetisches Bürgerverzeichniß 1866-1945.
  • Generallandesarchiv Karlsruhe, 377 Nr. 2884; 434 Nr. 27; 480 Nr. 20609 (1-2).
  • Standesamt Ladenburg, Heiratsregister, Nr. 23/1905.
  • Hauptstaatsarchiv Stuttgart, EA 99/001 Bü 161.
  • ancestry: Schiffsliste, Entry USA New York 27.4.1939 Ship Manhattan, Petition for Naturalization 23.1.1940 Urbana Ohio, Sterbebescheinigung Ohio Department of Health.
  • 1940 Census Population Schedules, Ohio, Champaign County, ED 11-23, Sheet No. 6 A, U.S. National Archives and Records Administration, 135692274.
  • Deutscher Reichsanzeiger und Königlich Preußischer Staatsanzeiger Nr. 186 vom 9. August 1899, Vierte Beilage: Central-Handelsregister für das Deutsche Reich.
  • Deutscher Reichsanzeiger und Königlich Preußischer Staatsanzeiger Nr. 276 vom 26. November 1928, Zweite Zentralhandelsregisterbeilage.
  • Der Landbote Nr. 115 vom 25. September 1897; Nr. 153 vom 30. Dezember 1911.
  • Großherzogliche Höhere Bürgerschule Sinsheim (Hrsg.): Einundvierzigster Jahres-Bericht für das Schuljahr 1883/84, Sinsheim 1884.
  • Großherzogliche Höhere Bürgerschule Sinsheim (Hrsg.): Fünfundvierzigster Jahres-Bericht für das Schuljahr 1887/88, Sinsheim 1888.

Bildnachweise

  • Stadtarchiv Sinsheim

Autorin

Wiltrud Flothow