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Mathilde Scherer

Geburtsdatum und -ort
22. Februar 1868 in Sinsheim

Sterbedatum und -ort
4. Juli 1940 in der Tötungsanstalt Grafeneck

Wohnadressen in Sinsheim und den Stadtteilen

  • 1868 bis 1938: Sinsheim, Bahnhofstraße 25 (aktuelle Nummerierung)
  • 1938 bis 1940: Sinsheim, Kreispflegeanstalt

Biografie

Mathilde Scherers Eltern waren Wolf Scherer, Bürger und Kaufmann, sowie Johanna Scherer geborene Bauer. Sie war des zweite von acht Kindern und die älteste Tochter. Über ihr Leben ist wenig bekannt. 1919 wohnte Mathilde Scherer noch bei ihren Eltern in der Bahnhofstraße. Im selben Jahr war sie wahlberechtigt bei der Wahl zur badischen verfassungsgebenden Versammlung und machte auch von ihrem Stimmrecht Gebrauch.

Ihre Eltern starben beide 1924. Vermutlich wohnte sie nun bei ihrem Bruder Max Scherer, ebenfalls in der Bahnhofstraße. 

1938 gab Max Scherer aufgrund der Boykottmaßnahmen gegen jüdische Geschäfte seinen Betrieb auf, verkaufte das Haus und zog nach Ladenburg. Er war der gesetzliche Vertreter seiner Schwester, wanderte aber im April 1939 aus. Auch ihr Bruder Moritz Scherer lebte nicht mehr im eigenen Haus, sondern in einer Notwohnung in der Synagoge und wanderte im November 1938 aus. Spätestens ab diesem Zeitpunkt lebte sie in der Kreispflege.

Am 19. Januar 1939 teilte der Landrat mit, dass Mathilde Scherer den zusätzlichen Vorname Sara angenommen habe, so der Randvermerk im Standesbuch neben ihrem Geburtseintrag. Dieser Passus wurde nie gestrichen. Sie erhielt eine neue Kennkarte, mit einem deutlichen "J". Hier wurde Mathilde Scherer auch von Bürgermeister Rieg bestätigt, dass sie bis zum Inkrafttreten des Reichsbürgergesetzes das Bürgerrecht und Heimatrecht in Sinsheim besessen habe.

Als Jüdin und wohl altersdementer Mensch traf Mathilde Scherer das gleiche Schicksal wie andere Bewohner der Kreispflegeanstalt Sinsheim. Sie wurde am 4. Juli 1940 nach Grafeneck deportiert und noch am gleichen Tag ermordet.

Quellen und Literatur

  • Stadtarchiv Sinsheim, SNH A 1577; SNH A 1621.
  • Generallandesarchiv Karlsruhe, 276-1 Nr. 17166; 377 Nr. 19079; 390 Nr. 4795.

Bildnachweis

  • Generallandesarchiv Karlsruhe

Autorin

Wiltrud Flothow