Karl Reinach
Geburtsdatum und -ort
12. Juni 1915 in Frankfurt am Main
Sterbedatum und -ort
7. Juli 2016 in Fair Lawn, New Jersey (USA)
Beruf
Speditionskaufmann
Wohnadressen in Sinsheim und den Stadtteilen
1915 bis 1935: Sinsheim, Hauptstraße 94 (aktuelle Nummerierung)
Biografie
Karl Kurt Reinach war der Sohn des Bäckermeisters Leopold Reinach und der Bertha Reinach geborene Oppenheimer. Er besuchte die Oberrealschule Sinsheim, verließ sie aber am 29. Juli 1933 aus der Unterprima. Der jüdische Schüler wurde gemobbt. Karl Reinach absolvierte eine Lehre bei der Firma Maxelo (Max L. Oppenheimer, Vereinigte Heidelberger Kleiderfabriken) in Heidelberg. Diese Lehre konnte er wegen einschränkender Maßnahmen gegen jüdische Betriebe nicht beenden. Karl Reinach reiste am 29. Oktober 1937 von Hamburg aus auf dem Schiff "Manhattan" in die USA ein. Seine Kontaktadresse in Deutschland war sein Vater in Heidelberg (Schröderstraße 12). Als Ziel wählte er seinen Cousin D. Degen in Chicago. Karl Reinach wurde am 15. Juni 1943 in die US-Armee eingezogen. Er stellte am 22. September 1943 in Spartenburg, South Carolina, einen Antrag auf Einbürgerung. Karl Reinach kämpfte auch in Europa, u. a. in der Ardennen-Offensive 1944/45, und erhielt mehrere Kriegsauszeichnungen, darunter das französische Croix de Guerre und die amerikanische Bronze Star Medal.
Laut dem US-Census des Jahres 1940 wohnte er bei seinen Eltern in New York (207 West 136th Street). Als Beruf gab er Buchhalter an. Später machte Karl Reinach einen Abschluss zum Bachelor of Science. Er arbeitete in Import-/Export-Unternehmen und gründete selbst zwei Firmen, Routed Thru Pack und Tidewater. Karl Reinach war auch Partner bei Optima, einer Firma, die u. a. Koffer herstellt. Als junger Mann hätte er gerne Medizin studiert. 1941 wurde ihm die deutsche Staatsangehörigkeit abgesprochen, obwohl der Bürgermeister Sinsheims, Rieg, ihm 1936 diese noch bestätigt hatte. Karl Reinach heiratete am 10. März 1946 Ilse Bertha Stern, geboren 1922 in Frankfurt am Main. Sie war 1941 über Lissabon in die USA eingewandert. Ilse Sterns Eltern und ihr Bruder wurden Opfer der Shoah.
1950 wohnten Karl und Ilse Reinach mit ihrem gemeinsamen Sohn Norman in New York City, 1955 in Fair Lawn, New Jersey. Ihre Tochter, Linda, wurde 1953 geboren. 1964 besuchte Karl Reinach wieder Sinsheim. Er starb am 7. Juli 2016 im Alter von 101 Jahren.
Quellen und Literatur
- Stadtarchiv Sinsheim, Nachlass Wilhelm Bauer/Rudolf Barg.
- Oberrealschule Sinsheim, Schulberichte.
- Generallandesarchiv Karlsruhe, 237 Zugang 1967-19 Nr. 1397; 237 Zugang 1967-19 Nr. 1401; 237 Zugang 1967-19 Nr. 1402.
- Hauptstaatsarchiv Stuttgart, EA 99/001 Bü 161.
- 1940 Census Population Schedules, New York, New York County, ED 31-1834A, Sheet No. 11 B, U.S. National Archives and Records Administration, 133723224.
- 1950 Census Population Schedules, New York, New York County, U.S. National Archives and Records Administration.
- ancestry: Schiffslisten Karl Reinach und Ilse Stern, Einbürgerungsantrag Karl Reinach und Ilse Stern Reinach, Einberufung zum Militärdienst.
- Deutscher Reichsanzeiger und Preußischer Staatsanzeiger Nr. 244 vom 18. Oktober 1941.
- Robert Schoem's Menorah Chapel, Carl Kurt Reinach Obituary,
Bildnachweise
- Stadtarchiv Sinsheim
- Privatbesitz
Autorin
Wiltrud Flothow



