Karte
Sinsheim, Bahnhofstraße 12: Wohn- und Geschäftshaus von Josef Krell
Besitzgeschichte (in Auszügen bis 1945)
- 1890: Johann Jakob Gmelin, Sattler
- 1895: Ludwig Christian Gmelin, Sattler
- 1927: Sally Krell (aus Ittlingen), Josef Krell und Alfred Krell, alle drei Kaufmänner
- 1937: Adolf Rulfs, Kaufmann
Verortung
- Situationsplan über die Stadt Sinsheim zum Behuf der neuen Strassen und Baulinien (1841): Nr. 316
- Lagerbuch der Gemeinde Sinsheim, Bd. 1 (1890 ff.): Nr. 19
- Adresse (vor Abriss): Bahnhofstraße 12
Sinsheim, Bahnhofstraße 1: Pfälzer Hof
Baujahr
unbekannt
Abbruchjahr
1954
Besitzgeschichte (in Auszügen bis 1945)
- 1747: Johann Michael Zoress d. Ä., Bäcker
- 1766: Peter Zoress, Bäcker und Straußwirt
- 1787: Johannes Rudolph, Bäcker und Zöllner, aus Mingolsheim
- 1829: Philipp Jakob Rudolph, Küfer, Bierbrauer und Ratsverwandter
- 1838: Wilhelm Hochstetter
- 1850: Leopold Marx und Mina Marx geb. Fleischer
- 1877: Max Adler und Lina Adler geb. Marx
- 1900: Ludwig Frey, Gastwirt, und Maria Frey geb. Aberle
- 1902: Friedrich Anton Bauer, Gastwirt
- 1920: Stadtgemeinde Sinsheim
Verortung
- Situationsplan über die Stadt Sinsheim zum Behuf der neuen Strassen und Baulinien (1841): Nr. 264
- Lagerbuch der Gemeinde Sinsheim, Bd. 1 (1890 ff.): Nr. 560
- Einwohnerbuch des Amtsbezirks Sinsheim (Ausgabe 1937): Bahnhofstraße 717
- aktuelle Adresse des Nachfolgebaus: Bahnhofstraße 1
Bau- und Nutzungsgeschichte
Das Anwesen des Pfälzer Hofes bestand ursprünglich aus zwei Grundstücken mit Häusern: aus einem kleineren Eckhaus und einem größeren zur Bahnhofstraße hin mit Durchfahrt, einem Innenhof und Hintergebäuden. Es ist zu vermuten, dass schon bald nach dem Brand 1689 beide ursprüngliche Häuser wieder erbaut worden waren.
Gesicherte Eigentumsverhältnisse für den Gebäudeteil zur Hauptstraße gibt es erst ab 1747. Johann Michael Zorres d. Ä. hatte das "Haus, Höflein und Scheuerlein Stall auch alles was nied und nagelvest ausser Bettladen und Schränk die ohne Verletzung des Hauses können weggenommen" von den Kindern des Hans Georg Lutz für 900 Gulden erkauft. Die Lage wurde beschrieben als in der "Stadt auf dem Marck[t]". Michael Zorres sowie seine Söhne Peter und Franz Jakob waren Bäcker von Beruf. Sie betrieben zusätzlich ein Straußwirtschaft. Auch der nachfolgende Eigentümer, Johannes Rudolph, war Bäcker und zusätzlich Zöllner. Er starb 1799. 1800 heiratete seine Witwe, Maria Josepha geb. Körner aus Kirchheim bei Heidelberg, den aus Nierstein stammenden Matthias Mohr, Straßenbauinspektor des Amtes Hilsbach. Inwieweit sie die Straußwirtschaft weiterführten oder gar Gastzimmer zur Verfügung stellten, ist unklar. Erst der Sohn Philipp Jakob Rudolph wurde ausdrücklich "Gastgeber zur Pfalz" genannt.
Um 1750 wurde am Eckhaus vermutlich von der katholischen Familie Zorres eine Mondsichelmadonna angebracht. Familie Rudolph, die das Anwesen danach besaß, war ebenfalls katholisch. Die Madonna stand fast 200 Jahre – auch in der Zeit, als das Gasthaus in jüdischem Besitz war. 1939 versuchten zwei offensichtlich regimetreue Männer, sie aus ihrer Nische zu stoßen. Der benachbarte Friseurmeister Fritz Rohleder aus der Bahnhofstraße verhinderte es. Heute ist die Madonna im Lapidarium des Stadtmuseums Sinsheim zu sehen.
Um 1800 erfolgten bauliche Veränderungen. Nach dem 1829 erstellten neuen Grundbuch wurde das Gasthaus zur Pfalz beschrieben und sein Wert eingeschätzt: "a. 2stöck Wohnhaus [das Eckhaus] mit der Schildgerechtigkeit zur Pfalz am Marktplatze 3500 fl. [Gulden], b. 2stöck Anbau, woran im untern Stock Stallung, im obern aber Wohnzimmer eingerichtet sind, c. Scheuer und Stall 500 fl., d. Anbau mit Brauerei und Brennerei 300 fl., e. 3stöck Anbau mit Schweineställe und Holzremise 200 fl.". Nachbarn waren einerseits die Witwe von Jakob Körber und andererseits Friedrich Schmitt.
1840, zu Zeiten Wilhelm Hochstetters, gab es in Baden ein großes Manöver des VII. Deutschen Bundesarmeekorps, und Sinsheim erlebte Einquartierungen im großen Stil. Im Gasthaus zur Pfalz bei Hochstetter wurden vier Offiziere und ein Diener untergebracht. Darunter war Prinz Wasa, eine königliche Hoheit aus Österreich, mit Adjudant. Im "Allgemeinen Bad- und Gasthofslexicon für Deutschland und die angränzenden Länder" heißt es 1841: "Die Bedienung wie Küche und Keller sind zu loben. Auch die innere Einrichtung ist modern und der Zeit angemessen".
Leopold Marx war Bäcker, Konditor und Gastwirt. Er bildete Lehrlinge im Bäcker- und Konditorenhandwerk aus. Zu Ostern gab es Konfekt bei ihm zu kaufen. Wein in Fässern bot er mehrfach zum Verkauf an – auch über die Straße. Bälle fanden im Pfälzerhof statt. 1858 verkehrte regelmäßig ein Omnibus zwischen Sinsheim und Heidelberg. Die Kutschen fuhren vom Pfälzer Hof ab. Der Tanz- und Anstandslehrer Julius Eisenhut gab 1866 im Pfälzer Hof Tanzunterricht und lud dazu Herren und Damen, "besonders Letztere", ein. Die "berühmte hellsehende Dame" bot ihre Dienste 1869 im Zimmer Nr. 3 des ersten Stocks an. 1877 stellte Marx mehrere Wochen lang einen Saal im Gasthaus als Betsaal zu Verfügung, da die Synagoge wegen "Verherrlichung" geschlossen war. Leopold Marx war zudem Agent für das Auswanderergeschäft "Die Hoffnung". Bei dem Verkauf an seine Tochter und seinen Schwiegersohn, Max Adler, behielten sich Leopold Marx und seine Frau neben dem Gastzimmer Nr. 10 ein weiteres als Wohnung vor. Zudem waren 16.000 Mark zu bezahlen. Der Vertrag listet auch die übergebene Einrichtung auf: Tische, Bänke, drei Lampen im Wirtszimmer, Tisch, gepolsterte Bank, Billard, Klavier, Lampe und Uhr im Speisezimmer. Max Adler arbeitete als Metzger, Gastwirt und Weinhändler. Er folgte der Tradition seines Schwiegervaters Leopold Marx und veranstaltete regelmäßig Bälle, u. a. anlässlich des Laubhüttenfestes. Adler stellte bei Einquartierungen von Truppen auch "Kost und Logis" zur Verfügung.
1865 bestand das Anwesen aus einem steinernen Wohnhaus, einem Anbau mit Wohnung und Küche, ebenfalls aus Stein gebaut, sowie einem Anbau mit Wohnung und Durchfahrt. Das Alter der drei Gebäude wurde mit ca. 60 Jahren angegeben. 1891 wurde der Anbau mit Wohnung und Durchfahrt teilweise abgebrochen und neu erstellt. Um 1895 umfasste der Gasthof ein zweistöckiges Wohnhaus, ein weiteres zweistöckiges Wohnhaus mit Durchfahrt und Metzig (Schlachtbank), einem zweistöckigen Wirtschaftsgebäude mit Remise und einem dreistöckigen Wirtschaftsgebäude mit Schopfen und Abtritt sowie einer Scheuer. 1902 wurde das Wohnhaus modernisiert. Es erfolgte der Einbau von Wasserleitungen, elektrischen Leitungen und einer Klingel sowie im Anbau ebenso elektrischen Leitungen.
Max Adlers Nachfolger Ludwig Frey bewarb 1901 den Pfälzer Hof mit folgenden Worten: "Das Gasthaus zum 'Pfälzer Hof', am verkehrsreichsten Platze hiesiger Stadt [Sinsheim], in nächster Nähe des Rathauses und der beiden Kirchen gelegen, eignet sich ganz besonders zur Abhaltung von Hochzeiten."
1916 wurde der Pfälzer Hof geschlossen. Die Stadt Sinsheim erwarb den Gebäudekomplex 1920 und richtete dort Mietswohnungen ein. Nach dem Abriss 1954 entstand an seiner Stelle ein Wohn- und Geschäftshaus.
Quellen und Literatur
- Stadtarchiv Sinsheim, SNH A 1167; SNH B 13; SNH B 17; SNH B 28; SNH B 66; SNH B 190; SNH B 312; SNH B 535.
- Der Landbote Nr. 49 vom 18. Juni 1850; Nr. 94 vom 7. Oktober 1851; Nr. 6 vom 14. Januar 1858; Nr. 94 vom 6. August 1864; Nr. 123 vom 13. Oktober 1866; Nr. 64 vom 29. Mai 1869; Nr. 78 vom 5. Juli 1877; Nr. 100 vom 25. August 1877; Nr. 112 vom 22. September 1877; Nr. 121 vom 10. Oktober 1878; Nr. 116 vom 2. Oktober 1879; Nr. 99 vom 24. August 1882; Nr. 112 vom 21. September 1886; Nr. 122 vom 16. Oktober 1900; Nr. 47 vom 20. April 1901, Zweites Blatt.
- Wilhelm Bauer: Drei Jahrhunderte Sinsheimer Gasthausgeschichte (1700-2000) (Sinsheimer Hefte 15), Sinsheim 2011.
- Bernhard Erbach/Wilhelm Bauer (Bearb.): Sinsheim. Register der evangelischen Kirchenbücher, 4 Bde., Sinsheim 2001.
- Bernhard Erbach/Wilhelm Bauer (Bearb.): Sinsheim. Register der katholischen Kirchenbücher, 2 Bde., Sinsheim 2002.
Bildnachweise
- Stadtarchiv Sinsheim
- Stadtmuseum Sinsheim
Autorin
Wiltrud Flothow
Sinsheim, Bahnhofstraße 25: Wohn- und Geschäftshaus der Familie von Max Scherer
Baujahr
1698
Bauherr
vermutlich Hans Michael Laux
Besitzgeschichte (in Auszügen bis 1945)
- 1698 Hans Michael Laux
- 1719 Michael Laux d. J.
- 1818 Christoph Münch
- 1864/65 Wolf, Marx, Joseph und Babette Scherer
- 1869 Wolf Scherer
- 1920 Max Scherer
- 1938 Gertrud Lang
- 1939 Wilhelm Hütter
Verortung
- Situationsplan über die Stadt Sinsheim zum Behuf der neuen Strassen und Baulinien (1841): Nr. 298
- Lagerbuch der Gemeinde Sinsheim, Bd. 1 (1890 ff.): Nr. 285
- aktuelle Adresse: Bahnhofstraße 25
Bau- und Nutzungsgeschichte
Hans Georg Clausius hatte 1660/61 ein Stück Platz im Zwinger beim Kirchtor gekauft, um dort einen Brennofen zu bauen. Es ist zu vermuten, dass dabei bereits ein Haus stand, wie der Torbogen mit der Jahreszahl 1604 im Lapidarium des Stadtmuseums Sinsheim vermuten lässt. 1689, als die Franzosen Sinsheim niederbrannten, wurde vermutlich auch das Haus zerstört. Die Erben des Hans Michael Laux, der den Platz 1698 gekauft hatte, verkauften 1719 ihrem Bruder bzw. Schwager Michael Laux eine Behausung und einen Brennofen an gleicher Stelle. Hans Michael Laux d. Ä. ist wohl der Erbauer des Hauses nach dem Brand 1689.
In dem Haus bzw. in einem Anbau wurde bis zum Liegenschaftszugriff gegen Hafnermeister Christoph Münch 1854 ein Hafnerofen betrieben. Die späteren Besitzer Does, Jakob Friedrich Haag und Adam Frank nutzten das Haus vermutlich als Miets- bzw. Wohnhaus, so auch nach ihnen Wolf, Marx, Joseph und Babette Scherer. Im November 1869 teilten die Geschwister das Haus zwischen sich auf. In den Vertrag wurde auch aufgenommen, dass jeder sich einen Hausschlüssel besorgen müsse und das Gebäude abends um 22 Uhr abzuschließen sei.
1919 gab es in dem Haus zwei Haushaltungen, die des Privatiers Wolf Scherer und die seines Sohnes Max, einem Kaufmann. Insgesamt wohnten in dem Haus fünf Erwachsene: Wolf und Hannchen Scherer, deren Tochter Mathilde Scherer sowie Max und Bertha Scherer. Die Erben des Max Scherer gaben in ihrem Wiedergutmachungsantrag an, er habe 25 Jahre lang ein gutgehendes Herren- und Damenkonfektions- und Manufakturgeschäft in dem Haus Bahnhofstraße 25 geführt.
Nach den Versicherungsbeilagen des Jahres 1931 wird das Alter von ¾ des Hauses mit 115 Jahren angegeben. Es scheint also 1816/17 zum größten Teil verändert worden zu sein. Weitere nachweisliche Umbauten erfolgten 1920, 1925 und 1930. Max Scherer annoncierte 1925 einen Räumungsverkauf im "Landboten" wegen Umbaumaßnahmen. Diese leitete der Architekt Richard Fischer. Er gestaltete die Außenfassade neu mit einem Torbogen und Renaissanceteilen, die sich im Keller befunden hatten. Die Stadt Sinsheim spendierte dazu kostenlos einen steinernen Eckpfeiler.
1931 kam es zu einer Neueinschätzung für die Versicherung wegen erneuter Veränderung und Vergrößerung. Der Gebäudekomplex umfasste ein zweigeschossiges Wohnhaus und gewerbliches Gebäude, eine Wohnung, Laden und Waschküche, teilweise massiv aus Stein gebaut, teilweise aus gemauertem Fachwerk. Es gab Rollläden, elektrische Leitungen, Wasserleitung, zwei Klosetts, Waschbecken, Badewanne und Zentralheizung. Die Versicherungssumme betrug 19.600 Reichsmark.
1945 sprengten die Sinsheimer Truppenverbände zur Stadtverteidigung die benachbarte Elsenzbrücke, weil sie meinten, die anrückende amerikanische Armee aufhalten zu können. Das Haus wurde dabei stark beschädigt, wieder aufgebaut und in der Folge mehrfach umgebaut. 1954 wurde das alte Portal entfernt. Die Einzelteile lagen Jahre lang im Freien, bis sie in den 1990er Jahren ins Stadtmuseum kamen.
Gertrud Lang verlegte nach dem Erwerb des Hauses 1938 ihr Woll- und Handarbeitsgeschäft dorthin. Später waren darin ein Herren- und Damenkonfektionsgeschäft sowie ein Möbelgeschäft untergebracht. Seit vielen Jahren ist dort die Filiale einer Drogeriekette ansässig.
Quellen und Literatur
- Stadtarchiv Sinsheim, SNH A 785; SNH A 1577; SNH A 1621; SNH A 1709; SNH B 4; SNH B 46; SNH B 56; SNH B 60; SNH B 190; SNH B 259; SNH B 266; SNH K 213; SNH N 6/3; SNH R 189.
- Generallandesarchiv Karlsruhe, 480 Nr. 20609.
Der Landbote Nr. 62 vom 27. Mai 1925.
Bildnachweise
- Stadtarchiv Sinsheim
- Stadtmuseum Sinsheim
Autorin
Wiltrud Flothow
Sinsheim, Bahnhofstraße: Wohn- und Geschäftshaus der Familie Weil
Baujahr
um 1807
Abrissjahr
1974
Besitzgeschichte (in Auszügen bis 1945)
- 1841 Johann Philipp Frank, Bauer
- 1847 Kinder von Jakob Rothschild
- 1858 Wilhelm Kaufmann, Landwirt und Schuhmacher
- 1873 Peter Diesbach, Bezirkstierarzt
- 1900 Gustav Weil, Kaufmann
- 1937 Ludwig Schwenn, Kaufmann
Verortung
- Situationsplan über die Stadt Sinsheim zum Behuf der neuen Strassen und Baulinien (1841): Nr. 301
- Lagerbuch der Gemeinde Sinsheim, Bd. 1 (1890 ff.): Nr. 230
- Adresse vor Abriss (1974): Bahnhofstraße 30
Bau- und Nutzungsgeschichte
Als das Haus um 1807 erbaut wurde, lag es vor dem Kirchtor außerhalb der Stadtmauern und auch jenseits der Elsenz. Auf dem Situationsplan von 1841 hatte es die Hausnummer 301. Besitzer war der Bauer Johann Philipp Frank, der es von Jakob Rudys Witwe Barbara geb. Reyher erkauft bzw. ererbt hatte. 1847 ersteigerte der Sonnenwirt Martin Betsch als Vormund für die Kinder Jakob Rothschilds das Haus und Grundstück aus der Gantmasse des Philipp Frank und Martin Frank.
Das Haus wurde immer von Landwirten, die manchmal zusätzlich ein Handwerk ausübten, genutzt, wie z. B. von dem Landwirt und Schuhmacher Wilhelm Kaufmann, der das Anwesen 1858 erwarb. Es bestand aus einem Wohnhaus mit gewölbtem Keller, einer Scheuer und einem Stall. Der mittlere Versicherungswert betrug 3.410 Gulden.
Der Bezirkstierarzt Peter Diesbach nahm am 9. November 1867 seinen Dienst in Sinsheim auf und wohnte zuerst bei Wolf Scherer in der Eisenbahnstraße, bevor er 1873 das Haus gegenüber von den Erben Wilhelm Kaufmanns kaufte. 1867 war für die Versicherung ein Alter von 60 Jahren angegeben. Diesbach ließ es neu ausbauen und 1874 neu versichern als ein zweistöckiges Wohnhaus mit gewölbtem und Balkenkeller, hälftig Stein, hälftig Backsteinriegel in neuem Zustand. Die Länge betrug 15,6 m, die Tiefe 10,2 m und das Dach war 5 m hoch. Dazu kam noch ein neuer Stall. 1896 zog Diesbach von Sinsheim fort und bot sowohl Fahrnisse als auch das Haus selbst zum Verkauf an. Der Besitzwechsel gelang wohl nicht so schnell, denn er vermietete zuerst die Wohnung im unteren Stock mit Stall, Heuboden und Garten sowie 1897 die Wohnung im oberen Stock.
Am 16. Oktober 1900 verkaufte Peter Diesbach die Immobilie an den Kaufmann Gustav Weil. Laut dem Lagerbuch umfasste das Anwesen eine Hofreite mit Hausgarten. Darauf stand ein zweistöckiges Wohnhaus mit einem gewölbten und einem Balkenkeller, ein zweistöckiges Wirtschaftsgebäude mit Stallung, Speicher, zwei Schweineställen, Hühnerhaus, Waschküche mit Backofen und Futterboden sowie eine an das Wirtschaftsgebäude angebaute zweistöckige Holzremise. Der Kaufpreis betrug 22.000 Mark. Da das Haus laut dem Kaufvertrag vermietet war, zog die Familie Weil etwas später in das Obergeschosss ein. Das Erdgeschoss bewohnte Moritz Ledermann mit Familie, der 1897 seinen Wohnsitz und sein Ledergeschäft von Weiler dorthin verlegt hatte. 1902 ließ Gustav Weil eine Wasserleitung, eine elektrische Leitung und eine elektrische Klingel einbauen.
Kurzfristig wohnte zusätzlich Max Adler in diesem ehemaligen Diesbachischen Haus. Er betrieb dort auch sein Weingeschäft, bevor er Wohnsitz und Geschäft in sein neues Haus in der Muthstraße 13 verlegte. In den folgenden Jahren waren ebenfalls zwei Haushaltungen im Haus. Der praktische Arzt Dr. Anton Bell bezog 1919 eine der Wohnungen und praktizierte dort auch.
Am 27. Oktober 1937 schloss die Erbengemeinschaft von Gustav Weil, namentlich dessen Witwe Nannette und Tochter Hilde van Hessen, mit Else Schwenn, Lehrerin in Sinsheim, als Bevollmächtigte ihres Bruders, des Diplomkaufmanns Ludwig Schwenn in Genua, einen notariellen Kaufvertrag über das Grundstück mit einem Kaufpreis von 15.610 Reichsmark. Das Haus hatte einen Steuerwert von 25.000 Reichsmark. Die Bezahlung erfolgte in Devisen nach Abzug der Hypotheken. Der neue Besitzer bzw. seine Bevollmächtigte wehrten sich nach dem Krieg gegen die Verwaltung des Hauses durch den Generaltreuhänder des Amtes für Vermögenskontrolle. Sie hielten den Kaufpreis für angemessen. Ein Zwangsverkauf habe nicht stattgefunden, da Frau Weil immer wieder in Holland bei ihrer Tochter gewesen sei. Die Eltern und Schwester des Eigentümers Ludwig Schwenn bewohnten das Haus weiterhin.
1974 wurde das Haus wie auch die benachbarte Beckersche Druckerei abgerissen, um neue Parkplätze bei der Post zu schaffen.
Quellen und Literatur
- Stadtarchiv Sinsheim, SNH A 786; SNH A 1167; SNH A 1621; SNH A 1704; SNH B 16 bis SNH B 28; SNH B 40; SNH B 63; SNH B 81; SNH B 190; SNH B 560; SNH B 561; SNH K 213.
- Staatsarchiv Ludwigsburg, EL 402/24 Bü 1280.
- Der Landbote Nr. 134 vom 7. November 1867, S. 577; Nr. 110 vom 17. September 1896; Nr. 121 vom 13. Oktober 1896; Nr. 101 vom 28. August 1897; Nr. 118 vom 6. Oktober 1900, Zweites Blatt; Nr. 124 vom 20. Oktober 1900, Zweites Blatt; Nr. 45 vom 17. April 1919.
- Rhein-Neckar-Zeitung vom 21. August 1974.
Bildnachweise
- Stadtarchiv Sinsheim
Autorin
Wiltrud Flothow
Sinsheim, Hauptstraße 102: Wohn- und Geschäftshaus der Familien Blum und Kohn
Baujahr
um 1700
Abrissjahr
1985 (nach Brand)
Besitzgeschichte (in Auszügen bis 1945)
- vor 1750: Hans Georg Fleck
- 1750: Hans Georg Doll der Jüngere
- 1841: Friedrich bzw. Heinrich Gemehle und Leonhard Hoffmann, Metzgermeister
- 1842/1847: Leopold Apfel, Kaufmann
- 1866: Karl Blum, Kaufmann
- 1906: Emilie und Max Kohn
- 1942: Deutsche Reichsfinanzverwaltung
Verortung
- Situationsplan über die Stadt Sinsheim zum Behuf der neuen Strassen und Baulinien (1841): Nr. 259
- Lagerbuch der Gemeinde Sinsheim, Bd. 1 (1890 ff.): Nr. 554
- aktuelle Adresse (Nachfolgebau): Hauptstraße 102
Bau- und Nutzungsgeschichte
Das Haus wurde kurz nach 1700 erbaut, dann mehrfach umgebaut, erneuert und erweitert. Nach der Stiftsrenovation von 1750 hatte Hans Georg Doll der Jüngere das Haus von Georg Fleck übernommen. Am 5. Mai 1795 erwarb der Sattlermeister Andreas Gemehle ein Viertel, d. h. den unteren Teil des Hauses, von Jakob Kunzelnick, am 29. März 1814 dann den oberen Teil des Hauses von den Erben des Bauern Georg Brecht, der schon 1784 eine Hälfte des Hauses besessen hatte. Andreas Gemehles Witwe verkaufte am 11. Dezember 1841 ihre Hälfte des Hauses an Friedrich resp. Heinrich Gemehle, die andere Hälfte an den Metzgermeister Leonhard Hoffmann. Leopold Apfel übernahm 1842 von Leonhard Hofmann bzw. 1847 von Heinrich Gmehle beide Haushälften und richtete 1842 einen Kaufladen darin ein. Der Kaufmann Leopold Apfel ist der einzige Jude in der Liste der Hauptbeteiligten des Amtsbezirks Sinsheim bei dem "Aufruhr" 1848/49. Danach soll er die Stelle eines "Wühlers" bekleidet haben.
Am 8. März 1866 erwarb der Kaufmann Karl Blum aus Weiler von Leopold Apfel und seiner Frau Therese die zweistöckige "Behausung" mit Scheuer, Stallung, Hofreite und Einfahrtsrecht für 3.700 Gulden. Für die Ladeneinrichtung im Laden und Nebenzimmer waren zusätzlich 300 Gulden zu entrichten. 1880 erfolgte ein Umbau. Das Alter wurde zu diesem Zeitpunkt mit 75 Jahren angegeben. Die Scheuer war 1867 rund 150 Jahre alt. Im Lagerbuch (1890 ff.) wurde das Anwesen beschrieben als ein zweistöckiges Wohnhaus, das 1931 einen zweistöckigen Anbau mit Küche und Kontor erhielt. Hinzu kam eine zweistöckige Scheuer mit Waschküche und gewölbtem Kellerraum. 1898 ergänzte man ein Magazin mit Waschküche und Wohnung. Vor dem Haus wurde 1899 eine der vier elektrischen Bogenlampen errichtet, welche die Hauptstraße erleuchteten.
1906 ging das Haus an Blums Tochter Emilie und ihren Mann Max Kohn. Im Oktober 1940 wurden Max Kohn und seine Frau Emilie nach Gurs deportiert. Die deutsche Reichsfinanzverwaltung eignete sich 1942 das Haus an und verkaufte es am 9. Dezember 1942 an die Mieter des Hauses für 18.000 Reichsmark. Der Steuerwert betrug 1933 20.000 Reichsmark. 1951 waren die Gebäude im Besitz der ungeteilten Erbengemeinschaft der Kinder des Ehepaars Kohn Ruth Emilie Palm geb. Kohn bzw. deren Tochter Ruth, Else Loeb geb. Kohn, Richard Kohn und Erna Kohn. Sie hatten 1948 einen Rückerstattungsantrag gestellt. Von ihnen erwarben 1952 Karl Schumb und seine Frau Auguste geb. Zebelin die Gebäude. Die neuen Eigentümer ließen das Haus und die Scheune 1954/55 umbauen und mit dem Nachbarhaus (Hauptstraße 104) vereinen. 1985 brannte das Anwesen ab.
Quellen und Literatur
- Stadtarchiv Sinsheim, SNH A 786; SNH A 1704; SNH B 14; SNH B 16; SNH B 19; SNH B 28; SNH B 29; SNH B 36, SNH B 40; SNH B 56; SNH B 190; SNH B 518; SNH B 520; SNH K 213.
- Generallandesarchiv Karlsruhe, 236 Nr. 8510.
- Hauptstaatsarchiv Stuttgart, EA 99/001 Bü 161.
- Staatsarchiv Ludwigsburg, EL 402-24 Bü 1264.
- Der Landbote Nr. 33 vom 18. März 1899.
Bildnachweise
- Stadtarchiv Sinsheim
Autorin
Wiltrud Flothow
Sinsheim, Hauptstraße 82: Wohn- und Geschäftshaus der Familie von Moritz Scherer
Baujahr
kurz nach 1689
Abrissjahr
2021
Bauherr
Johannes Schnall
Besitzgeschichte (in Auszügen bis 1945)
- vor 1703 und vor 1714 Caspar Bestel, Schlossermeister, und Johannes Schnall (ursprünglich zwei Häuser)
- 1734 und 1758 Martin Bestel, Schlosser
- 1790 Marx Joseph, Schutzjude
- 1810 Wolf Marx (Scherer) und Aron Marx (Robinson)
- 1851 Jakob Kolb, Bäcker
- 1905 Moritz Scherer, Bäcker
- 1937 Heinrich Frick, Bäcker
Verortung
- Situationsplan über die Stadt Sinsheim zum Behuf der neuen Strassen und Baulinien (1841): Nr. 346
- Lagerbuch der Gemeinde Sinsheim, Bd. 1 (1890 ff.): Nr. 30 a
- Adresse vor Abriss (2021): Hauptstraße 82
Bau- und Nutzungsgeschichte
Nach der Stiftsrenovation von 1758 existierte schon vor dem Brand 1689 an dieser Stelle ein Haus. Während des Wiederaufbaus der Stadt entstand dort wieder ein Gebäude, das im Laufe der Jahrhunderte erneuert und umgebaut wurde. 1734 und 1758 besaß der Schlosser Martin Bestel an dieser Stelle zwei Häuser, die er einmal 1703 von den Erben seines Bruders, Caspar Bestel, einem Schlosser, gestorben 1692, und 1714 von Johannes Schnall erkauft hatte. 1784 veranschlagte man für das "Häußlein in der Stadt auf der breiten Seite, ohnweit dem Rathhauß, eins[eitig] Jak[ob] Kolb, anders[eitig] das Schulgäßlein" 30 Gulden Steuerkapital. 1790 war es im Besitz des Kaufmanns Carl Franz Morano, der es an den Schutzjuden Marx Joseph verkaufte. Dieser musste 600 Gulden dafür bezahlen. 1810 ging das zweistöckige Wohnhaus mit Stallung an dessen Söhne Wolf Marx (Scherer) und Aron Marx (Robinson). In den Jahren nach 1840 wechselten die Eigentümer (Karoline Robinson, Salomon Reinach, Freifräulein Auguste von Gemmingen), bis der Bäcker Jakob Kolb das Haus und Nebengebäude 1851 erwarb.
In den Versicherungsbeilagen wurde 1867 das Alter des zweistöckigen Hauses mit ca. 120 Jahren angegeben, also vermutlich von Martin Bestel umgebaut. Jakob Kolb ließ das Haus, das in einem schlechten Zustand war, 1871 abreißen und aus Stein an Stelle von Steinriegel wieder neu aufbauen. Die Witwe seines Sohnes Philipp, Barbara Kolb geb. Belz, verkaufte das Haus mit der Bäckerei 1905 an Moritz Scherer und seine Frau Anna Scherer geborene Dreyfuß, einem Nachfahren des Wolf Marx Scherer. Das Anwesen wurde beschrieben als zwei- bis dreistöckiges Wohnhaus mit Bäckerei und Laden ohne Keller. Am 15. Dezember 1937 verkaufte Moritz Scherer sein Wohnhaus, den Schopf, die Scheuer und Gartenland an den Bäckermeister Heinrich Frick.
Das Haus wurde genutzt als Wohnhaus mit Schlossereiwerkstatt, als Wohn- und Handelshaus und viele Jahre als Bäckerei. Zuletzt war darin ein Geschäft mit Verkauf von türkischen Backwaren. Im Laufe des 20. Jahrhunderts erfolgten weitere Umbauten. Bei Abbruch des Nachbarhauses 2018 wurde das Gebäude instabil, wegen Einsturzgefahr gesperrt und 2021 abgerissen.
Quellen und Literatur
- Stadtarchiv Sinsheim, SNH A 785; SNH A 1704; SNH B 4; SNH B 17; SNH B 18; SNH B 28; SNH B 42; SNH B 190; SNH B 518; SNH B 528; SNH K 213.
Bildnachweise
- Stadtarchiv Sinsheim
Autorin
Wiltrud Flothow
Sinsheim, Hauptstraße 88: Wohn- und Geschäftshaus der Familie Seligmann
Baujahr
um 1700
Abrissjahr
1973
Besitzgeschichte (in Auszügen bis 1945)
- 1703 Johann Georg Hilspach, reformierter Pfarrer und Inspektor
- 1730 Reformierte Geistliche Administration
- 1858 Leopold und Manasses Reinach
- 1894 Ludwig und Heinrich Frank
- 1900 Abraham Seligmann
- 1927 Fanny Seligmann
- 1937 Christian Heinrich und Marie Kern
Verortung
- Situationsplan über die Stadt Sinsheim zum Behuf der neuen Strassen und Baulinien (1841): Nr. 343
- Lagerbuch der Gemeinde Sinsheim, Bd. 1 (1890 ff.): Nr. 28 a
- aktuelle Adresse (seit 1973 Nachfolgebau): Hauptstraße 88
Bau- und Nutzungsgeschichte
Schon 1703 wurde an dieser Stelle ein Haus im Privatbesitz des Pfarrers und Inspektors Johann Georg Hilspach erwähnt. 1730 verkauften seine Erben das Gebäude an die reformierte geistliche Administration, die dort ein Pfarrhaus einrichtete. 1762/63 wurde das Haus umfassend erneuert und erhielt durch den Bildhauer Paulus Erlacher ein aufwändiges Portal ähnlich dem an dem früheren katholischen Pfarrhaus. Stadtpfarrer und Dekan Karl Wilhelmi wohnte dort bis zu seinem Tod 1857. Zu Wilhelmis Amtszeit bestand es aus einem zweistöckigen Wohnhaus nebst Anbau aus Stein, einem Anbau mit Schweineställen und Schopfen halb aus Stein, einem Anbau mit Stallung aus Stein, einer Scheuer mit Balkenkeller (der untere Stock aus Stein) sowie einem Nebenbau mit Holzschopfen. Das Pfarrhaus wurde am 8. Februar 1858 von Manasses und Leopold Reinach für 4.260 Gulden ersteigert. Der Verkauf erfolgte trotz des Protestes der Gemeinde auf Anordnung des Oberkirchenrats, "weil es sich in seiner baulichen Beschaffenheit wegen zu einem Pfarrhaus nicht mehr eignet".
Die Brüder Reinach betrieben in dem Haus ein Warengeschäft. Nach 1894 vermieteten die neuen Besitzer, die Brüder Ludwig und Heinrich Frank, das Gebäude, u. a. ab 1897 an Gustav Weil, bis dieser sein eigenes Haus in der Bahnhofstraße beziehen konnte. Auch Max Adler nutzte Teile des Hauses. Abraham Seligmann aus Rohrbach erwarb 1900 das Haus für 16.000 Mark und betrieb darin ein Manufaktur- und Konfektionsgeschäft. Die Bestandteile des Anwesens waren ein zweistöckiges Wohnhaus mit eineinhalbstöckiger Scheuer und gewölbtem Keller, eine einstöckige Stalllung und Futterboden, ein zweistöckiges Magazingebäude mit Durchfahrt und Balkenkeller, eine zweistöckige Stallung und Heuboden sowie ein zweistöckiges Abortgebäude. Zeitweise verkaufte er auch Möbel. Um 1900 zu Zeiten der Familie Seligmann wurde das Haus durch den Architekten Dick nochmals umgebaut. Er entfernte das Portal und baute es in seiner Villa am Hünenbergweg ein. 1921 erfolgten Umbaumaßnahmen im Auftrag von Abraham Seligmann. Er übergab das Haus 1927 an seine Tochter Fanny.
Abraham Seligmanns Sohn Hermann erhielt 1935 die Erlaubnis, das Geschäft zu übernehmen. Die Boykottmaßnahmen gegen jüdische Geschäfte trafen auch die Firma Seligmann. So verkaufte Hermann Seligmann 1937 den gesamten Vorrat an Manufakturwaren und Bekleidung. Der Gewerbebetrieb der Firma Abraham Seligmann hörte auf zu bestehen. Fanny Mayer geb. Seligmann verkaufte das Haus 1937 an die Eheleute Kern für 17.500 Reichsmark. Christian Kern betrieb an gleicher Stelle ein Geschäft und hatte Kleidung, Stoffe, Kurzwaren usw. in seinem Angebot.Nach 1956 wurde das Haus bzw. Geschäftshaus durch Christian Kern modernisiert. 1973 erfolgte der Abriss. Bei den Gründungsarbeiten für den Neubau, in dem seither wechselnde Geschäfte, Büros und Praxen untergebracht sind, wurde der Rest eines Pfahlzaunes aus römischer Zeit gefunden.
Quellen und Literatur
- Stadtarchiv Sinsheim, SNH A 735; SNH A 785; SNH A 786; SNH A 1750; SNH B 4; SNH B 80; SNH B 190; SNH B 560, SNH K 213.
- Stadtverwaltung Sinsheim, Bauakten.
- Generallandesarchiv Karlsruhe, 222 Nr. 122.
- Hauptstaatsarchiv Stuttgart, EA 99/001 Bü 161.
- Der Landbote Nr. 33 vom 18. März 1921.
- Rhein-Neckar-Zeitung vom 13. Oktober 1973.
- Wilhelm Bauer: Die ehemalige jüdische Gemeinde von Sinsheim. Ihre Geschichte und ihr Schicksal (Sinsheimer Hefte 10), Neuaufl. Sinsheim 2011.
Bildnachweise
- Stadtarchiv Sinsheim
- Stadtmuseum Sinsheim
Autorin
Wiltrud Flothow
Sinsheim, Hauptstraße 94: Wohn- und Geschäftshaus der Familie Reinach
Baujahr
vor 1720
Bauherr
vermutlich Johann Philipp Hayssler/Heussler
Abrissjahr
1990 (Neubau)
Besitzgeschichte (in Auszügen bis 1945)
- vor 1720 Johann Philipp Hayssler/Heussler, Sattler
- 1720 Abraham Hilspach, Bäcker
- 1791 Johann Jakob Körber, Bäckermeister
- 1832 Jakob Bender, Drehermeister
- 1842 Elias Münzesheimer
- 1864 Bernhard Spranz, Landwirt
- 1867 August Schilling, Uhrmacher
- 1877 Kaufmann bzw. Karl Reinach, Bäckermeister
- 1905 Leopold Reinach, Bäckermeister
- 1937 Johann Schürger, Bäckermeister
Verortung
- Situationsplan über die Stadt Sinsheim zum Behuf der neuen Strassen und Baulinien (1841): Nr. 263
- Lagerbuch der Gemeinde Sinsheim, Bd. 1 (1890 ff.): Nr. 559
- aktuelle Adresse: Hauptstraße 94
Bau- und Nutzungsgeschichte
1720 wurde das Haus als "Behausung" beschrieben. Es kostete Abraham Hilspach 250 Gulden. 100 Jahre später wurde es als zweistöckiges Haus am Marktplatz bezeichnet und ein Wert von 600 Gulden veranschlagt. Abraham Hilspach richtete nach dem Kauf des Hauses 1720 von dem Sattler Johann Philipp Hayssler/Heussler einen Backofen ein. Sein Sohn Johann David Hilspach betrieb dort ebenfalls eine Bäckerei, wie auch nach 1791 der Bäckermeister Johann Jakob Körber. In der Folge wohnten und arbeiteten darin der Drehermeister Jakob Bender und dessen Sohn Carl, ein Kammmachermeister. Elias Münzesheimer betrieb nach 1841 einen Kaufladen. Bernhard Spranz, ein Landwirt, nutzte drei Jahre lang das Haus. Der Nachbesitzer, August Schilling, war Uhrmacher.
Für die Pflichtfeuergebäudeversicherung 1842 wurde es genauer beschrieben: ein zweistöckiges Wohnhaus mit Balkenkeller, der untere Stock aus Stein, mit einer Versicherungssumme von 1.550 Gulden. Im darauffolgenden Jahr richtete Elias Münzesheimer einen Kaufladen darin ein. 1877 erwarb Kaufmann bzw. Karl Reinach das Haus und nutzte es wieder als Bäckerei. Der Bäcker Johann Schürger erwarb das Anwesen am 11. November 1937 von Leopold Reinach. Er betrieb dort weiterhin eine Bäckerei.
1960 erfolgte ein teilweiser Umbau des Hauses und eine Aufstockung auf drei Stockwerke. 1990 wurde das Haus abgerissen und ein Neubau erstellt. 2024 dient das Gebäude als ein Wohnhaus mit Pizzeria im Erdgeschoss.
Quellen und Literatur
- Stadtarchiv Sinsheim, SNH A 785; SNH B 5; SNH B 14, SNH B 17, SNH B 36; SNH B 55; SNH B 58; SNH B 66; SNH B 190, SNH B 526; SNH B 567; SNH K 213.
- Stadtverwaltung Sinsheim, Bauakten.
- Paul Strack: Feuerrecht 1734 in Sinsheim, in: Mein Heimatland 17 (1930), S. 93–96.
Bildnachweise
- Stadtarchiv Sinsheim
Autorin
Wiltrud Flothow
Sinsheim, Kleine Grabengasse 3: Wohnhaus von Friedericke Häußler
Besitzgeschichte (in Auszügen bis 1945)
Sinsheim, Muthstraße 11: Wohn- und Geschäftshaus der Familie Ledermann
Baujahr
1896
Besitzgeschichte (in Auszügen bis 1945)
- 1896: Ferdinand und Johanna Oppenheimer geb. Kahn sowie Siegmund und Sara Oppenheimer geb. Ottenheimer
- 1911: Moritz Ledermann
- 1940: Beschlagnahmung
- 1942: Deutsche Reichsfinanzverwaltung/Finanzamt Sinsheim
- 1945: Sallo Fred Ledermann
Verortung
- Lagerbuch der Gemeinde Sinsheim, Bd. 1 (1890 ff.): Nr. 239
- Einwohnerbuch des Amtsbezirks Sinsheim (Ausgabe 1937): Muthstraße 765
- aktuelle Adresse: Muthstraße 11
Bau- und Nutzungsgeschichte
1895 kauften die Fruchthändler Ferdinand und Siegmund Oppenheimer von Franz Rebmann das Grundstück in der Muthstraße, einen Hausgarten mit Gartenhaus. Im gleichen Jahr begann der Bau des Hauses. Der Landbote berichtet am 19. Oktober 1895: "Mit der Fertigstellung [...] wird unsere Stadt abermals eine bemerkenswerte Bereicherung ihrer architektonischen Zierden zu verzeichnen haben". Den Dachstuhl fertigte Zimmermeister Philipp Kreß und die Maurerarbeiten besorgten die Herren Häußler und Bauer. Es entstand ein zweistöckiges Wohnhaus mit Kniestock, zwei gewölbten Kellern, einer Waschküche sowie einer Holzremise mit Geflügelhaus. Der Bau wurde im Juni 1896 fertiggestellt.
n dem Haus waren zwei Wohnungen mit je fünf bis sechs Zimmern. Es ist anzunehmen, dass die Brüder Oppenheimer das Haus als Wohnhaus nutzten und auch ihren Handel von dort aus betrieben. Moritz Ledermann kaufte das Haus 1911 und verwendete es in gleicher Weise. Eine Wohnung war für ihn und seine Familie selbst, die zweite vermietete er, so z. B. 1926 an den Rechtsanwalt Erwin Bergdolt. Das Adressbuch von 1937 nennt für das Haus "Ledermann, Moritz, Lederwarenhändler, Muthstr. 765, Telefon 320" sowie den Reichsbahnoberinspektor i. R. August Riesterer. Nach der Pogromnacht 1938 wohnte kurzfristig die Familie Krell bei Familie Ledermann, da das eigene Haus verkauft und die Ersatzwohnung in der Synagoge zerstört worden war. Ebenfalls fand Berta Adler Unterkunft bei Ledermanns, als ihre Wohnung nach Kriegsbeginn von der Wehrmacht beschlagnahmt worden war.
Das Grundstück mit Haus eignete sich 1941 nach der Deportation der Familie Ledermann der Staat zwangsweise an und stand ab 1942 unter der Deutschen Reichsfinanzverwaltung. Die Wohnungen wurden vermietet. Nach dem Zweiten Weltkrieg erhielt Sallo Ledermann als einzig überlebendes Mitglied der Familie die Immobilie zurück und verkaufte sie dann weiter. In den 1950er Jahren kam es zu geringfügigen baulichen Veränderungen für eine Zahnarztpraxis. Im Anschluss daran beherbergte das Haus bis in die 1970er Jahre noch die Praxis eines Kinderarztes.
Quellen und Literatur
- Stadtarchiv Sinsheim, SNH A 54; SNH B 190; SNH B 567.
- Stadtverwaltung Sinsheim, Bauakten.
- Generallandesarchiv Karlsruhe 465c Nr. 23573; 508-2 Nr. 44501.
- Staatsarchiv Ludwigsburg, EL 402 Bü 1268.
- Der Landbote Nr. 124 vom 19.10.1895; Nr. 7 vom 17. Januar 1911.
- Adalbert Nagy (Hrsg.): Einwohnerbuch des Amtsbezirks Sinsheim. Ausgabe 1937, Stuttgart 1937.
Bildnachweise
- Stadtarchiv Sinsheim
Autorin
Wiltrud Flothow


























